Bruno Bettoni

SKU 63 1991

«Bauherr des Pragmatismus»

Bruno Bettoni führt das Immobilienunternehmen Allreal durch eine steile Wachstumsphase. Doch Gigantismus ist nicht das Ding des CEO.

Viel kleinere Schweizer Firmen aus allen Branchen wollen die Emerging Markets dieser Welt erobern. Nicht so die Allreal-Gruppe. Der Immobilienkonzern vergrössert sein Portfolio seit Jahren, wächst auch als Generalunternehmer kontinuierlich und setzt Milliarden um. Die Schweiz genügt ihm dabei jedoch als Territorium. «Im Ausland haben wir nichts verloren, weil der Immobilienmarkt ein lokales Geschäft ist.» Bruno Bettoni sagt es bestimmt, aber unaufgeregt. So ist die Art des CEO von Allreal. Er wirkt überlegt, besonnen, etwas nüchtern. Seine Rhetorik ist nicht jovial, eher kühl und pragmatisch. Die Inhalte der kurzen Sätze beschränken sich auf das Wesentliche.

Mit dieser unspektakulären Art hat es Bruno Bettoni weit gebracht. Der gelernte Hochbauzeichner hat sich hochgedient und ist seit über 14 Jahren CEO bei Allreal. Das heute börsenkotierte Unternehmen ging 1999 aus der Oerlikon-Bührle Immobilien AG hervor und hat seinen Immobilienbestand zwischen 2000 und 2010 vervierfacht. Heute umfasst das Portfolio 45 Geschäfts- und 18 Wohnliegenschaften. Fünf weitere Anlageliegenschaften befinden sich zurzeit im Bau.

Vom eng führenden Patron zum Delegierer

Markant mitgewachsen ist bei Allreal der Personalbestand. Das stellt neue Herausforderungen an den CEO. «Ohne strukturelle, organisatorische und personelle Anpassungen hätten wir das Wachstum nicht bewältigen können», sagt er. Konkret heisst das: Bettoni musste sich vom eng führenden Patron zum delegierenden Chef entwickeln. Um sich herum hat er ein Management-Team formiert, dem er viel Entscheidungsspielraum lässt und Verantwortung überträgt. Vertrauen spielt dabei eine wichtige Rolle. Wer es missbraucht, kann es sich mit Bruno Bettoni rasch verspielen. «Mangelnde Professionalität und Unehrlichkeit dulde ich nicht, und zwar auf keiner Hierarchiestufe.»

«Zuckerbrot und Peitsche» oder «Alte Schule» nennen es die einen, von seiner «persönlichen und erprobten Führungsphilosophie» spricht Bruno Bettoni. Den Patron gibt er immer noch hie und da. Die rund 250 Mitarbeitenden am Allreal-Sitz in Zürich-Oerlikon spüren ihren Chef. Regelmässig ist er in den Gängen und Büros des gut zehnjährigen Gebäudes anzutreffen, das Allreal selbst gebaut hat und heute als Mieterin belegt. Statt Wände sorgen durchsichtige Glasfronten für Transparenz. «Es ist mir sehr wichtig, die Menschen in unserem Unternehmen persönlich zu kennen», so Bettoni. Der Kontakt zu ihnen wirke motivierend. «Für mich selbst und hoffentlich auch für die Mitarbeitenden», sagt er mit einem Lächeln.

Allreals Beitrag zur 2000-Watt-Gesellschaft

Er hat noch einiges vor mit ihnen. «Die gute Konjunktur, das Bevölkerungswachstum sowie anhaltend steigende Ansprüche stimmen mich zuversichtlich für weiteres Wachstum», so Bettoni. Doch wie steht es um sein ökologisches Gewissen? Kann man die ganze Schweiz zupflastern? «Beim Bauen und beim Betrieb von Liegenschaften lässt sich die Belastung der Umwelt zwar minimieren, aber nicht gänzlich eliminieren», so seine diplomatische Antwort. Allreal bemühe sich jedoch, mit den knappen Ressourcen sparsam umzugehen. «Ökologische und energieeffiziente Projekte werden bei uns klar bevorzugt.» So hat Allreal seit dem Jahr 2000 über 50 Minergiebauten erstellt und bis Frühling 2013 mehr als 1,3 Millionen Quadratmeter Energiebezugsfläche nach Minergie zertifizieren lassen. In Wallisellen realisiert Allreal gegenwärtig die erste Arealüberbauung der Schweiz, welche die Anforderungen einer visionären 2000-Watt-Gesellschaft erfüllt. Auf das grüne Gewissen seines Unternehmens legt Bruno Bettoni viel Wert. Er outet sich auch als Verfechter einer verdichteten Bauweise, obwohl Zürich sicher nie ein zweites Hong Kong werden könne. «Wo sinnvoll und möglich, müssen Wohn- und Geschäftsliegenschaften aber näher zusammenrücken und sich nach oben orientieren.» Moderates Wachstum statt Gigantismus sieht er als Königsweg für Allreal. Insofern habe sich an der Grundstrategie des Unternehmens in der Vergangenheit nicht so viel verändert. Vor über 20 Jahren absolvierte Bruno Bettoni, damals Direktor beim Vorgängerunternehmen Oerlikon-Bührle Immobilien AG, das SKU Advanced Management Program und entwickelte in diesem Rahmen eine Strategie für seinen Arbeitgeber. Schon damals ging es hauptsächlich um die geografische Diversifizierung innerhalb der Schweiz sowie die Erschliessung neuer nationaler Wachstumsmärkte.

«Selbstverständlich hat sich seither viel verändert und unsere Branche hat sich auch technisch enorm weiterentwickelt. Die grundlegenden Fragestellungen und Herausforderungen in unserem Geschäft sind aber immer noch die gleichen», so Bettoni. Die Welt erneuert sich rasant, doch um die damit verbundenen Herausforderungen zu bewältigen, setzt der CEO von Allreal da und dort auch auf altbewährte Konzepte.

Text: Robert Wildi

Bruno Bettoni

ist seit 1999 CEO der Allreal-Gruppe. Zuvor war er 26 Jahre beim Vorgängerunternehmen Oerlikon-Bührle Immobilien AG engagiert, wo er vom Bauleiter bis zum Geschäftsleiter aufgestiegen ist. Nach einer Lehre als Hochbauzeichner und einer Zusatzlehre als Maurer hatte Bruno Bettoni über die Jahre zahlreiche betriebswirtschaftliche Weiterbildungskurse absolviert. Darunter im Jahr 1991 das SKU Advanced Management Program. Bruno Bettoni ist 64-jährig, verheiratet und Vater einer Tochter.

Allreal

Die Allreal-Gruppe kombiniert die Bewirtschaftung eines riesigen Immobilienportfolios im Gesamtwert von CHF 3,2 Milliarden mit der Tätigkeit des Generalunternehmers (Projektentwicklung und Realisation). Im Geschäftsjahr 2012 betrug das von der Generalunternehmung abgewickelte Projektvolumen CHF 940 Millionen. Am operativen Sitz in Zürich sowie an den Standorten Basel, Bern, Cham und St. Gallen beschäftigt das Immobilienunternehmen, welches ausschliesslich in der Schweiz tätig ist, über 400 Mitarbeitende. Die Aktien der Allreal Holding AG sind an der Börse kotiert.

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